Tipps zur Nutzung von Airbrush-Düsen erbeten
13. April 2015 08:59
Hallo,

ich habe zwar schon einige wenige Teile mit der Airbrush-Düse (0,5mm) gedruckt, brauche aber noch ein wenig Unterstützung.

Das Drucken mit der Airbrush-Düse finde ich ausgesprochen interessant. Mir gefällt das sehr saubere gerade Herausdrücken des Filaments. Mit den Druckergebnissen bin ich äußerst zufrieden - wenn ich denn zu einem kompletten Druck komme.

Mein Hauptproblem ist der 1. Layer. Mal will er z.T. nicht richtig auf dem Druckbett haften, mal kratzt die Düse an der gerade eben gezogenen Filamentspur (beim Rückweg) wieder etwas Material ab... Die Oberfläche des 1. Layers ist also nicht ansatzweise vergleichbar mit der von den mit "normaler" Düse gedruckten. Gut, diese Düsen bügeln ja einiges weg, was dann zu einem dichteren Druckbild führt.

Ich hatte schon sehr viele Beiträge zum Merlin-Hotend (und ähnlich passenden Themen) gelesen, aber so richtig nichts bezüglich 1. Layer gefunden. Der 1. Layer scheint mir ja essentiell wichtig für einen gut gelingenden Ausdruck mit solch einer Düse zu sein. Worauf muss ich also am meisten achten?

Danke schon mal.

Gruß
roe3d
Re: Tipps zur Nutzung von Airbrush-Düsen erbeten
13. April 2015 13:27
Hallo Roe3D,

wie du schon sagtest, der erste Layer ist wirklich wichtig und gar nicht so einfach einzustellen. Mit welcher Düse man druckst ist eigentlich nicht relevant.
Meistens hört man von Werten für den Abstand z.b, 0.1mm, oder 0.15mm, mit einem Papier den Abstand austarieren, oder gar mittels Meßuhr den Abstand zwischen Düsenspitze und Druckbett ermitteln. Ich finde diesen Weg relativ kompliziert, oft zu ungenau. Der User lernt so nicht, ein Gefühl für das Aussehen der ersten Linie zu bekommen.

Dabei lässt sich der Abstand mit bloßem Auge einstellen, mit ein paar Tricks.
Erst einmal sorgst du für eine plane Druckoberfläche.Hiefür fährst du von Hand deinen Extruder nahe am Rand entlang. Prüf auch die mitte.
Der Abstand sollte über der gesamten Fläche einen kleinen Schlitz ca. 0.1-0.3mm betragen. Nur als Richtwert.
Im Anschluß heizt du das Heizbett auf 110° C, und checkst noch einmal die Abstände, es ist gut möglich das sich die Abstände durch das aufheizen verändern.

Als nächstes werden 5 kleine Objekte geslicert. Z.b normale 20x20mm Cubes. Diese positionierst du ebenfalls an den Ecken und eine in der Mitte. Die Funktion Brim sollte eingestellt sein und bei 3-5mm liegen und zusötzlich ein Skirt (Aussenlinie) mit einem Abstand von z.b 4mm gelegt werden.
PLA 50-70°C, ABS 80-130°C sollte für die erste Linie, je nach Druckbett passen. Für das Hotend kommt man mit PLA 195-210°C und ABS 230-250°C gut hin.
Die Geschwindigkeiten liegen bei uns für PLA bei 25mm/S und ABS 20mm/S. Das sind eher konservative Werte.

Nun startest du den Druck und beobachtest genau das Ablegen der Layer. Liegen Sie lose auf dem Bett, wird der Druck sofort abgebrochen.
Werden die Layer in das Bett gedruckt und/oder wellen sich auf, das siehst du spätestens sobald 2 Layer nebeneinander gelegt wurden, auch dann wird sofort abgebrochen.
Es gilt die Layer so zu legen, das sie ein wenig oval gedrückt werden, jedoch nicht völlig plan werden.


Die Korrektur:
Am einfachsten geht das über den Gcode. Dur wirst in den ersten Zeilen des Druck-Code zwei mal folgenden Wert finden:
G92 E0

Um den Düsenabstand um 0.2mm zu verringern, änderst du den zweiten Wert in
G92 Z0.2

Andersherum
G92 Z-0.2


Es könnte sein, je nach Druckerkonfiguration, das bei einigen + und - vertauscht sind. Ich denke die meisten werden das schnell raus haben.
Der Code wird nun gespeichert und neu gedruckt. Den Vorgang wiederholst du solange, bis deine erste Linie in etwas so aussieht:

[www.flickr.com]
[www.flickr.com] (hier war die Düse etwas 0.05mm zu nah am Druckbett, das geht aber noch in Ordnung)

Sobald der passende Wert gefunden ist, läßt sich entweder die Hardware, daher die Z-Achse ändern, alternativ im Slicer unter Z-Offset den Wert anpassen, oder aber jedesmal direkt im Gcode korrigieren. Ich passe den Abstand nur ungern über die Hardware an, und ändere gerne im Slicer und speichere die Config ab. Hierbei sollte man aufpassen, dass der Normalabstand nicht unterhalb des Druckbett liegt. Die Brim-Funktion verstärkt immer den Klebeeffekt und bei einem ordentlich eingestellten Abstand ist der Rand Ruckzuck abgeknickt. Auch wird PLA meistens besser haften als ABS.

zu guter letzt noch zum Thema Druckplatte:

Es sind verschiedene Produkte auf dem Markt, angefangen bei gewöhnlichen Glas, bishin zu hochwertigen Druckunterlagen.
Die Klebeeigenschaften von einfachem Glas lassen sich durch diverse Hausmittelchen verbessern. Z.b Zitronensaft für PLA, Haarspray oder ABS-Juice für ABS. Manche verwenden sogar Zuckerwasser. Wer ein für alle mal ruhe haben will investiert in eine ordentliche Druckplatte. Wir verwenden unsere Filaprint, jedoch gibt es auch andere gute Produkte auf dem Markt.
Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, das allgemein die hochwertigeren Druckplatten auch mehr kosten, dafür hat man eine vernünftige Platte die einige Jahre hält.


Abschließend kann ich nur sagen: "Viele Wege führen nach Rom" smiling smiley

7-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.04.15 13:42.


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Re: Tipps zur Nutzung von Airbrush-Düsen erbeten
13. April 2015 14:35
Kurz und knapp: Bei einem gut ausgerichteten Bett bin ich bei der 0.5er Düse mit nem ersten Layer von 0.3mm gut zurecht gekommen. Und bei einer Airbrushdüse lieber den Flow ein µ zu wenig als zu viel einstellen.


Triffid Hunter's Calibration Guide --> X <-- Drill for new Monitor Most important Gcode.
Re: Tipps zur Nutzung von Airbrush-Düsen erbeten
14. April 2015 17:51
Danke für die Tipp's.

Ich habe nun den 1. Layer auf 0,3mm gesetzt., in S3D den Z-Offset angepasst und bin mit der Geschwindigkeit noch etwas runter gegangen. Die Temperaturen Bed / Nozzle passen.
Druckbett = BuildTak

Kann es sein, dass Brim mit mehr Filament gedruckt wird als das eigentliche Druckobjekt?


Düsen-Seite


Druckbett-Seite

Den Druck habe ich beim 2. Layer abgebrochen. Das Teilstück, dass fast geschlossen aussieht hat schon den 2. Layer (0,1mm).

Gruß
roe3d
Re: Tipps zur Nutzung von Airbrush-Düsen erbeten
15. April 2015 02:19
Du bist jetzt ein wenig zu weit weg. Oder gibst zu wenig Material.
Beim Brim wird eigentlich der gleiche Flow angewendet wie beim Rest auch.

Ich mach das immer so, dass ich das Bett mit der Papiermethode sauber ausrichte. So, dass es überall einen möglichst gleichen Abstand zur Düse hat.
Dabei stelle ich das schon eher ein wenig zu knapp ein und teste mich dann an einen passenden Offsetwert heran. Ohne Offset habe ich dann natürlich auch das Problem, dass sich das Material von nebeneinander liegenden Bahnen im ersten Layer etwas aufwirft und die Düse dann beim Verfahren durch das aufgeworfene pflügt. Daher einfach einen beliebigen Druck starten und sich den ersten Layer ansehen.
Offset anpassen und wieder testen. Wenns gut aus sieht hat sich die Sache erledigt, wenn nicht, dann wieder anpassen.
Dabei lieber klein (0,02mm) anfangen und sich langsam steigern.
Hier braucht es in der Regel keine großen Änderungen bis das passt.

Ich arbeite momentan mit meinem Merlin und einer 0,3mm Düse bei einem First-Layer von 0,2mm mit einem Offset von 0,05mm.
Drucke auf Bluetape (Scotch 2090) mit Haarspray. Alle paar Drucke kommt wieder ne Schicht Spay drüber. Das kann dann schon dazu führen, dass ich irgendwann mit dem Offset auf 0,08mm hochgehen muss...
Re: Tipps zur Nutzung von Airbrush-Düsen erbeten
15. April 2015 03:19
Du solltest in Slic3r under 'Advanced' noch den Default-Wert auf 0,5 (Düsendurchmesser) setzen. Ansonsten macht Slic3r da eigene Sachen. Die restlichen Werte dort alle auf 0 lasse. Höchsten der Firstlayer auf 0,6 oder ~120%.

Unter S3D Extrusion width auf Manual 0,5mm.

1-mal bearbeitet. Zuletzt am 15.04.15 03:20.


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Re: Tipps zur Nutzung von Airbrush-Düsen erbeten
15. April 2015 08:17
Ich benutze nur noch S3D. Die Extrusion width habe ich auf 0,5 und manuell stehen. Flow ist bei 94%.
Re: Tipps zur Nutzung von Airbrush-Düsen erbeten
15. April 2015 09:14
Druck doch mal so ein Teil weiter hoch, so siehst du ob der Flow (E_Step) generell stimmt. Sobald du den eingestellt hast, kannst du das Bett nachstellen.
Auf dem Bild könnte man meinen, der Flow ist zu gering, und du bist zu nah am Bett.
Insofern wäre die erste Layer zwar richtig eingestellt, aber du extrudierst sonst zu wenig.

1-mal bearbeitet. Zuletzt am 15.04.15 09:14.


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Re: Tipps zur Nutzung von Airbrush-Düsen erbeten
15. April 2015 18:33
Ich denke das der Flow stimmt. Die "Bolzen" haben einen Durchmesser von 2,3mm.




Das sieht auf den Bildern "hügliger" aus als es sich anfühlt.
Re: Tipps zur Nutzung von Airbrush-Düsen erbeten
15. April 2015 19:37
Schaut gut aus. Viel höher würde ich mitm flow nicht gehen bei einer Airbrush-Düse, sonst hast Fusel an der Düse.


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Re: Tipps zur Nutzung von Airbrush-Düsen erbeten
16. April 2015 09:44
Du kannst auch mal versuchen mit einer infill breite von 0,4 zu drucken, dann überlappen die stränge mehr.
Re: Tipps zur Nutzung von Airbrush-Düsen erbeten
28. April 2015 08:24
Im Wesentlichen haben die Tipp's von Filafarm und Gianelli zum Erfolg geführt. smiling bouncing smiley
Vom Support von S3D kam noch der Hinweis, mit der Überlappung von Infill - Perimeter höher zu gehen.

Einen Fehler hatte ich selbst gemacht: Die Einstellung "First Layer Width" in Prozent hatte ich viel zu hoch angesetzt.
Ich dachte immer, bei Brim gilt diese Einstellung auch. Aber dem ist in S3D nicht so. Brim wird immer mit dem Wert von "Extrusion width" gedruckt. "First Layer Width" greift nur beim eigentlichen Druckobjekt. Da ich dachte viel hilft viel hatte ich mit Werten größer 150% gearbeitet. Dabei war mir aber nicht klar, dass damit die Anzahl der zu druckenden Infill-Linien automatisch weniger werden. Denn aus "Extrusion width" = 0,5 mm werden bei 160% ja 0,8 mm. Dieser Zusammenhang wurde mir bei den verschiedenen Testdrucken dann irgendwann klar. Somit war diese Fehlerursache auch beseitigt.
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